Renaissance Architektur
Baustil und Architektur der Renaissance
Renaissance Schloss in Frankreich
Schloss Chenonceaux |
|
Italienische Renaissance
Palazzo Pitti |
Zeittafel der Renaissance |
| Renaissance allgemein |
ca. 1400 - 1600 |
Protorenaissance Italien
Manierismus |
13. (spät) und 14. Jh.
ca. 1550 - 1600 |
| Höhepunkt der italienischen Stadtrepubliken |
11. / 12. Jh. |
| Herrschaft der Familie Medici in Florenz |
ab 1400 |
| Haus Tudor in England (Tudor-Stil) |
1485-1603 |
| Entdeckung von Amerika (Christoph Columbus) |
1492 |
| Vertreibung der Medici aus Florenz |
1494 |
| Entfdeckung des Seewegs nach Ostindien (Vasco da Gama) |
1498 |
Martin Luther veröffentlicht seine 95 Thesen -
Beginn der Reformation |
1515-47 |
Die Wiederentdeckung der (römischen) Antike ist das Leitmotiv der Renaissance.
Die römischen Monumente waren zur Zeit der Renaissance in vielen italienischen Städten als vielbewunderte Ruinen allgegenwärtig; die griechische Antike dagegen lag seit der osmanischen Eroberung des Balkans wie hinter einem undurchdringlichen Vorhang (und war daher höchstens ein Ideal für Philosophen und Wissenschaftler).
Die Begriffe "Renaissance" und "Manierismus"
Renaissance = rinascita = Wiedergeburt, Wiederaufleben (der römischen Antike)
verwendet von Vasari in der Kunstgeschichte nicht als Stilbegriff, sondern als Vorgang; allgemein als Stilbegriff verwendet erst ab 1860 nach einem Buch “Die Kultur der Renaissance in Italien” von Jakob Burckhardt
Manierismus = Manier = Handschrift
1.sehr persönliche Ausdrucksweise, auch die Übernahme der Handschrift eines Meisters durch andere, durch eine Schule
2. ein zu kunstreiches Spiel mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln mit Neigung zu Übertreibungen und theatralischen Effekten
Humanismus
Mit der Renaissance wird auch der Begriff des Humanismus verbunden: Im Jahr 1453 eroberte Sultan Mohammed II. die Stadt und Residenz Konstantinopel.
Die dort lebenden griechischen Gelehrten flohen nach Athen; aber als Athen 3 Jahre später von den Türken besetzt und verwüstet wurde, flohen sie weiter nach Italien und ließen sich in Rom, Florenz und Bologna nieder und lehrten dort griechische Philosophie.
Sie hatten Wissen in originalen Büchern mitgebracht, das damals in Italien teils vergessen, teils durch Auslegungen und Bearbeitungen verbogen und entstellt worden war.
Diese Gelehrten und ihre Schüler nannten sich "Humanisten" (lateinsich humanitas = Menschlichkeit, menschenwürdiges Verhalten).
Das Ideal der Renaissance
Ausgewogenheit in allen Dingen war das Ideal. Der ideale Renaissance-Mensch sollte möglichst in allen Bereichen gleich (gut) begabt, entwickelt und fähig sein: also in Künsten, Wissenschaft und Sport gute Kenntnisse und Leistungen zeigen. Verehrt wurde das "Universalgenie".
Die Renaissance ist auch der Beginn der ( weltlichen ) freien Wissenschaften. Das Bürgertum in den Städten wurde einflussreicher, die Kirche war nicht mehr so absolut beherrschend im Leben und Denken, der Glaube nicht mehr alles, was zählen durfte.
Wichtige Erfindungen und Entdeckungen wurden in dieser Epoche gemacht.
Allgemeine Merkmale der Renaissance Kunst
Renaissance = Vereinzelung der Künste / Stellung des Künstlers
Die Künste Architektur, Malerei und Skulptur sind nun nicht mehr eingebunden in das System der Kathedrale und von ihr abhängig; sie treten isoliert als Einzelkunstwerke auf. Nach rund 1000 Jahren entstehen nun erstmals z.B. wieder freistehende Großplastiken.
Während das Mittelalter (bis zur Spätgotik) keine Künstlernamen überlieferte (der Mensch war lediglich ein Werkzeug Gottes), erlebt die Renaissance geradezu einen Geniekult; der im Mittelalter noch dem Handwerker gleichgestellte Künstler wird nun als etwas gesellschaftlich Außerordentliches angesehen.
Renaissance = Verweltlichung (Profanisierung) des Sakralen (kirchlichen)
Das Mittelalter kannte praktisch nur sakrale Kunst. in der Renaissance erfolgt ein Bruch mit dieser Tradition, und auch das Profane wird darstellungswürdig.
War im Mittelalter die Darstellung der Heilswahrheit aus der Bibel noch durch Ausdruck, Flächigkeit, Goldhintergrund usw. in einer jenseitigen, idealen Spähre gegeben, so wird das Dargestellte nun realistisch, tatsächlich, naturnäher und lebendiger.
Renaissance = Die Naturbeobachtung und das Mathematische in der Kunst
Die aus der Naturbeobachtung heraus gewonnenen Erkenntnisse über Proportion, Perspektive und menschlichen Körperbau werden auf mathematische Formeln gebracht. Die so gewonnenen Regeln bilden die Grundlage für einen besonders in Intalien verbindlichen Kanon der Schönheit und Naturwahrheit.
Renaissance = Die römisch-antike Kunst wird wiederentdeckt
Die antiken Gottheiten sind wieder darstellungswürdig, die entsprechende Mythologie (Sagenwelt) lebt wieder auf.
Die antiken Säulenordnungen und die römischen Wandgliederungen treten wieder auf. Um 1415 wird das fast vollständig wiederentdeckte Traktat “De architectura” des antiken Baumeisters Vitruv zur wichtigsten Grundlage aller Bautheorie der Renaissance und der späteren Epochen.
Die Architektur der Renaissance

|
|
Renaissance
Die Renaissance-Architektur ist zunächst ein auf Italien begrenztes Phänomen, verbunden mit dem wirtschaftlichen und politischen Aufblühen der Stadtrepubliken (Venedig, Florenz, Rom ...)
und verbreitet sich von hier erst später auch in den angrenzenden europäischen Ländern. |
Die Renaissance in Italien verläuft in ihren Anfängen in etwa parallel mit der Gotik in Deutschland und Frankreich, die sie hier gewissermaßen ersetzt.
Gotik findet sich in Italien längst nicht so ausgeprägt wie in anderen Ländern, meist nur als Details (z.B. an Bogenfenstern, die ansonsten aber in Renaissance-Architekturen eingebunden sind).
Die "Goldenen Proportionen" der Antike wurden wieder studiert. Die Initialzündung für die neue Architektur war wohl die Wiederentdeckung der "Zehn Bücher über Architektur" des Römers Vitruv (etwa zur Zeitenwende entstanden und nun als Abschrift wiedergefunden). Besonders die Abhandlungen über die Säulenordnungen machten großen Eindruck.
Ausgewogene Proportionen, Schönheit der Einzelformen, Symmetrie und Harmonie aller Teile und des Ganzen sollen die göttliche Wahrheit der Geometrie und ihre moralische Kraft verkörpern.
Das erste Universalgenie der Renaissance - Leon Battista Alberti
Einer der ersten Befürworter und Förderer dieser "vitruvianischen" Architektur war Leon Battista Alberti (1404 - 1472).
Er war eines der "Universalgenies" (uomo universale = Universalmensch) der Renaissance, denn er war Architekt, Dichter, Musiker, Naturwissenschaftler und ein guter Sportler.
In seinen Büchern über Architektur (um 1450, nach dem Studium der 10 Bücher über Architektur von Vitruv), Malerei und Bildhauerkunst beschrieb er eine Theorie der Schönheit auf der Grundlage griechischer und römischer Kunst und auf der Grundlage dessen, was er als die "Gesetze der Natur" bezeichnete.
Leon Battista Alberti führt seine Architekturtheorie historisch auf die Vorbilder der Antike zurück. Er begründet dies wissenschaftlich mit der Bedeutung des Kreises und kreisverwandter Formen in der Natur; denn die Natur gilt als oberste Lehrmeisterin. Ästhetisch kommt er dem Ideal der Gleichmäßigkeit damit am nächsten. Von ihm bevorzugte Grundformen sind Kreis und Quadrat bzw. Würfel und Kugel.
Die Architektur der Hochrenaissance - Andrea Palladio
Ein berühmter Vertreter der Hochrenaissance bzw. Spätrenaissance war Andrea Palladio (1508-80).
Neben seiner Bautätigkeit schrieb er auch mehrere Standardwerke über Architektur (Die vier Bücher über Architektur), nachdem er intensiv die Bücher des antiken Baumeisters Vitruv ("de architectura") studiert hatte. Die Bücher Palladios wurden später wiederum von nachfolgenden Architekten Europas als Vorlage für Bau und Stil genommen.
Nach ihm benannt ist das Palladio-Motiv, ein Arkadenfenster, bei dem der mittlere, überhöhte Bogen von zwei schmalen Öffnungen flankiert wird. Vor allem berühmt sind seine Villen, die später, zusammen mit seinen Büchern, vor allem in England zum Stil des Palladianismus führen.
Andrea Palladio (Andrea di Pietro della Gondola)
1508 - 1580
Geboren in Padua, zog er noch während seiner Ausbildung zum Steinmetz nach Vicenza, wo er im Laufe der zeit zahlreiche Stadtpaläste und Villen baute.
1554 veröffentlichte Palladio das Buch "Antichità di Roma", einen Führer der antiken Bauwerke Roms, und 1570 erschien das berühmt gewordene Gesamtwerk Quattro libri dell'architetura, das er selbst mit zahlreichen eigenen Entwürfen und Abbildungen antiker Architektur illustrierte.
Diese berühmten Werke der Architekturliteratur, die lange Zeit nur in den Archiven von Universitätsbibliotheken überhaupt einsehbar waren, sind jetzt, sogar in deutscher Übersetzung, auf dem Buchmarkt erhältlich:
(Andrea Palladio: Die vier Bücher zur Architektur, nach der Ausgabe Venedig 1570; Birkhäuser Verlag - deutsche Übersetzung der "Quattro libri dell'architettura")
Durch diese Quattro libri (Die Vier Bücher über Architektur) wurde Andrea Palladio neben Leon Battista Alberti zum einflussreichsten Architekturtheoretiker seiner Zeit; vor allem der Baustil der protestantischen (anglikanischen) Architektur in Nordeuropa wurde stark von ihm und seinem Werk "Quattro libri dell'architetura" beeinflusst.
Es entstand der "Palladio-Stil" (bzw. "neo-palladianistische Stil").
Bedeutende Bauten des Renaissance-Architekten Andrea Palladio:
1549-1558 - Villa Barbaro (bei Treviso)
1549-1614 - Palazzo della Ragione (Vicenza)
1565-1575 - San Giorgio Maggiore (Venedig)
1566-1571 - Villa La Rotonda (bei Vicenza)
1566-1582 - Palazzo Valmarana-Braga (Vicenza)
1577-1592 - Il Redentore (Venedig)
Insgesamt ist die Renaissance-Architektur rational und gut strukturiert. Sie besteht aus einer Aneinanderreihung weniger klarer geometrischer Grundformen: Kreis, Quadrat und Rechteck im Grundriß; Kugel, Halbkugel, Würfel, Quader und Zylinder im Bauvolumen.
Das ganze Bauwerk ist auf wohl durchdachte Art proportioniert. Diese Grundformen werden verbunden mit "antikisierenden" Motiven: Säulen, Pilastern und Kapitellen in den verschiedenen Bauordnungen; Triumphbogenmotiv und überkuppelte Säle erinnern an antike römische Architektur.
Bauformen der Renaissance
1. Renaissance in Italien:
A. Frühe Renaissance: Stadthäuser (Palazzi):
Sockelgeschoss in Rustika- oder Bossen-Mauerwerk, z.T. auch in den oberen Geschossen sichtbares Mauerwerk, klar strukturierte Fensterreihen, die Waagerechte ist betont, Geschosse sind klar voneinander abgegrenzt, relativ “schmucklos”, d.h. wenig Dekor, blockartig geschlossener Baukörper. Wirkung durch Proportion des Baukörpers, Wirkung des sichtbaren Baumaterials, klare Aufteilung der Bauelemente (Geschosse, Fenster, Eingänge).
Beispiele von Palazzi (Stadthäusern) in Florenz und Rom
| Palazzo Pitti |
Florenz |
1549 von den Medici gekauft |
| Palazzo Medici |
Florenz |
1444-1464, Bartolommeo bzw. Michelangelo |
| Palazzo Strozzi |
Florenz |
1489-1504, Majano / Cronaca |
| Palazzo Pandolfini |
Florenz |
1516-1520, Raffael |
| Palazzo Rucellai |
Florenz |
1446-1451, Leon Battista Alberti |
| Palazzo Farnese |
Rom |
ca. 1534-1546, Sangallo / Michelangelo |

|
|
Palazzo Pitti
Gartenseite |

|
|
Palazzo Pitti |

|
|
Palazzo Medici |

|
|
Palazzo Farnese |
B. darauf folgend: Villen (Landhäuser) in der Renaissance
Landhäuser (Villen) als “Erholungsort und Zweitwohnsitz” der Städter, freistehend mit umgebenden parkgroßen Gärten, aber nicht mehr landwirtschaftlich genutzt.
Beispiel für Villen (Landhäuser) der Renaissance
“Die Palladianische Villa”
besonders berühmt ist der Zentralbau der Villa Capra “La Rotonda”, auch ”Villa Rotonda” genannt, bei Vicenza, Baubeginn 1568, von Andrea Palladio.
Dieser Entwurf und Baustill wurde gern und viel nachgeahmt und führte später zu einer eigenen Stilform, dem "Palladianismus”, der in ganz Europa, hauptsächlich in England, verbreitet war.
C. Kirchenbau in der Renaissance
Beispiele für den Kirchenbau in der Renaissance
| San Zaccaria |
Venedig |
Baubeginn 1450, Fassade 1515 |
| Pazzi-Kapelle |
|
1429-ca.1461, Brunelleschi |
| Dom von Florenz |
|
Kuppel von Brunelleschi |
| Peterskirche |
Rom |
ab 1546 Planung, Bramante / Michelangelo (Kuppel 15...-1593, Michelangelo) |
| Il Redentore |
Venedig |
Baubeginn 1577, Palladio |
2. Renaissance in Frankreich: (ab ca. 1500)
Schlösser und aufwendige Landsitze der Renaissance
Schlösser dienten dem Adel nicht nur zum Wohnen, sondern auch zur Repräsentation, d.h. zur Selbstdarstellung. Berühmt sind die Schlösser der Loire.
Diese Schlösser haben einen schlichten Grundriss und sind z.T mit äußerst prunkvollem Baudekor im Stil der Renaissance ausgestattet. Zu einem Schloss gehörte unbedingt ein Ziergarten.
|
|
Renaissance-Schloss Chenonceaux
gebaut 1515–1522 an einem Nebenfluss der Loire.
Besonderheit an diesem Schloss: Schloss Chenonceaux ist auf Pfeilern quer über den Fluss gebaut. |
|
|
Renaissance-Schloss Miromesnil
gebaut um 1600
|
|
|
Ansicht von Schloss Miromesnil |
Beispiele für Schlösser und Landsitze der Renaissance in Frankreich
Schloss Chambord |
Regierungszeit bzw. Bauherr: Franz I., Baubeginn 1519, möglicherweise Leonardo da Vinci |
| Louvre, Paris |
ab 1546 Umbau des alten Schlosses Franz I. durch Pierre Lescot, später weitere Anbauten bis zum 18. Jh. -
heute eines der berühmtesten Museen! |
| Schloss Verneuil |
1568 gebaut, nach der franz. Revolution zerstört |
Schloss Verneuil
Die Anfänge der Renaissance in Frankreich gehen auf König Franz I. zurück.
Franz I. lud viele der großen italienischen Künster nach Frankreich ein, z.B. Michelangelo, Tizian, Leonardo da Vinci.
Ab 1530 wurde sein neu erbautes Schloss Fontainebleau zu einem Zentrum der Kunst. Der hier entstehende neue Stil (der venezianische Baumeister Sebastiano Serlio ließ sich 1540 in Frankreich nieder, franz. Baumeister gingen gleichzeitig nach Italien, um die dortige Antike und “italienische Renaissance” zu studieren) verbreitete sich über ganz Europa.
3. Renaissance in England:
Auch hier Schlösser als hochrepräsentative Ausformung nationaler Bautradition. Sie hat wenig zu tun mit der italienischen Renaissance; (eher ein Ausdruck der nun britischen Gotik). Kern der “Englischen Renaissance” ist der Tudor-Stil, benannt nach den Herrschern des Hauses Tudor (siehe Heinrich VIII., reg. 1509-47).
Der Tudorstil ist ein stark ornamentaler Stil der Backsteinbautechnik.
Berühmtester Tudorbau:
Schloss Hampton Court (östl. von London, noch heute Privatbesitz des engl. Königshauses), unter Heinrich VIII. ca. 1530 begonnen.
Beispiele für Palladianismus:
Queens House in Greenwich (1629-329 und Banqueting House in Whitehall (1619-22)
(Danach Neopalladianismus = Frühform des Klassizismus.)
2. Hälfte 16. Jh., 1550-1600, Manierismus:
Elisabethanischer Stil und Jacobean Style
Die Erfindung der Perspektive
Architekturmotive und Perspektivische Illusion als Intarsienarbeiten in Wandgestaltungen und an Möbeln. Die ersten Musterbücher (Stilvorlagenstiche) von bekannten Tischlerwerkstätten / Möbelentwerfern / Ornamentgestaltern erscheinen.
bedeutende Künstler der Renaissance
| Leon Battista Alberti |
|
1404-1472 |
| Donato Bramante |
|
1444-1514 |
| Sandro Botticelli |
|
1445-1510 |
| Giuliano da Sangallo |
|
1445-1516 |
| Leonardo da Vinci |
|
1452-1519 |
| Matthias Grünewald |
|
1460-1528 |
| Hans Holbein der Ältere |
|
1465-1524 |
| Albrecht Dürer |
|
1471-1528 |
| Lucas Cranach der Ältere |
|
1472-1553 |
| Michelangelo Buonarroti |
|
1475-1564 |
| Tizian ( Tiziano Vecellio) |
|
1476-1576 |
| Raffael |
|
1483-1520 |
| Hans Holbein der Jüngere |
|
1498-1543 |
| Lucas Cranach der Jüngere |
|
1515-1586 |
| Jacopo Tintoretto |
|
1518-1594 |
| Pieter Bruegel der Ältere |
|
1525-1569 |
Ornamente der Frührenaissance:
Die drei griechischen Säulenordnungen
Römische Kompositordnungen
Säulen mit phantasievollen Misch-Ornamenten u. Mischformen
Akanthus, Eierstab, Perlstab, Zahnschnitt, Kassetten
Klassisch-antike Ornamentformen, besonders der Akanthus, werden wiederentdeckt.
Eichenlaub, Blumen- und Schilfranken
Auch andere pflanzliche Ornamentformen werden häufig zur Dekoration von Wandkompartimenten (Wandabschnitten) benutzt, wobei sie symmetrisch angeordnet sind.
Flechtbandarten
Daneben tauchen seltener auch flechtbandartige Ornamentformen auf.
Alle Ornamente können ganz willkürlich gemischt auftreten.
Ornamente der Hochrenaissance u. Spätrenaissance
Akanthus, Eierstab, Perlstab, Zahnschnitt,
Kassetten, Palmetten, Bündelstab, Blattstab,
Bukranion u.a. Festons
Die gesamte Bandbreite des klassischen griechischen und römischen Ornaments wird verwendet.
Grottesken
Um etwa 1500 wird in Rom die “domus aurea” (das “Goldene Haus” des Kaisers Nero) ausgegraben und in dessen unterirdischen Grotten eine neue Ornamentform, die Grotteske, entdeckt. Sie besteht hauptsächlich aus Rankenwerk, das monströse ( = in der Natur nicht vorkommende) Phantasiewesen verbindet.
Um 1517 malt Raffael Grottesken im Vatikan und gibt damit das Vorbild für dieses Ornament der Spätrenaissance und des Manierismus.
Klassische Ornamentformen und Grottesken können in der Renaissance sowohl einzeln als auch zwanglos gemischt auftreten.
Renaissance Wandgestaltung
>>> Beispiele für Renaissance Ornamente in der heutigen Wandgestaltung (Tapeten Muster) bei viptapete.de
Renaissance - Möbel
Die gleichen Prinzipien, nach denen die Baumeister arbeiteten, finden sich auch im Möbelbau der Renaissance wieder: harmonische Proportionierung der einzelnen Bauglieder, Verwendung einfacher geometrischer Grundformen, die Wiederaufnahme der antiken Säulenordnungen kennzeichnen die Renaissancemöbel.
Die Wände sind oft bemalt, mit Ledertapeten oder mit Stoffbehängen ausgestattt. Das Mobiliar wird meist an der Wand entlang aufgestellt.
bedeutende Möbelbauer - Möbeltischler der Renaissance
Peter Flötner
Hans Vredemann de Vries
Heinrich Aldegrever
Heinrich Ringelink
Renaissancemöbel - Italien
Truhen - die cassone:
(die cassone, die Hochzeitstruhe oder Brauttruhe ist ein sehr wichtiges Möbelstück) ist häufig lang und niedrig, da sie häufig auch als Sitz dient. Den Schränken merkt man an ihrem Aufbau noch die Herkunft der Truhe (zwei Truhen übereinander) an. Neben Schnitzereien werden auch Intarsien gefertigt.
Stollenschränke,
Kredenzen,
Baldachinbetten (manchmal auf Holzpodesten),
Tische:
1. teilweise immer noch eine lose Platte auf Böcken (“Tafel aufheben”),
2. aber auch schon Wangentische (die Stützen bilden zwei querstehende Wangen, die durch ein Zwischenbrett miteinander verbunden sind (Wangen manchmal von Tierklauen gestützt).
3. runde, sechs- oder achteckige Tische auf baluster- oder Vasenförmigen Füßen.
Sitzmöbel:
Scherenstuhl bzw. Scherensessel (“Savonarola”),
Brettschemel (“Sgabello”)
Stühle mit Vierkantpfosten und Lehnenpfosten
Scherensessel
Faltstuhl
Renaissancemöbel - Frankreich
In Frankreich, wo sich die Gotik noch lange gehalten hatte, wurden nicht selten alten gotischen Möbeln neue italienische Ornamentmotive aufgesetzt, so das nun z.B. die alten gotischen Stollenschränke statt mit Maß- und Faltwerk mit Arabesken, Grotesken und antikisierenden Pilastern geschmückt wurden.
Das Hauptmöbel der franz. Renaissance ist der zweigeschossige Schrank (armoir a deux corps).
Das zweite wichtige Möbel ist der “dressoir” oder das “buffet”, ein Kredenzschrank:
Auf offenem oder durch Türen geschlossenen Untergestell sitzt ein kastenförmiger Aufsatz mit zwei Türen (fast immer aus Nussholz).
Sitzmöbel:
Neben den verbreiteten schweren Kastenstühlen mit hoher Lehne (chaire) und Hockern (placet) gibt es einen neuen Stuhltyp, der “Caquetoi” (caque = plaudern) als “Damenstuhl”. Trapezförmige Sitzfläche und entsprechend weit ausgreifende Armlehnen ermöglichen das Sitzen trotz der damals voluminösen Röcke.
Betten: wie in der Gotik, mit Renaissance-Dekor
Renaissancemöbel - England
Unter der “Englischen Renaissance” versteht man allgemein die Zeit zwischen dem Beginn der Tudor-Herrschaft (1485) und dem Ende des Commonwelth (1660)
Die die dieser Zeit herrschenden Stile werden als
Early Tudor (ca.1485-1558),
Late Tudor (oder “Elizabethan” (1558-1603), “als
Jacobean oder Early Stuart (1603-1649) bzw.
Commonwealth (1649-1660) bezeichnet.
Heinrich VIII. lud bedeutende ausländische Künstler, darunter auch italienische, an seinen Hof.
Tische:
Außer dem Tresle (Platte auf Böcken) und dem rechteckigen Ständertisch hier neu:
der klappbare Gateleg-Tisch ab ca. 1650.
Jahresangaben sind immer als ungefähre Angaben zu verstehen, da ein Stil niemals innerhalb eines Jahres "plötzlich" entsteht und auch nicht so plötzlich endet. In Zeiten des Übergangs ergeben sich Mischungen von Stilformen, so dass ein Gebäude oder ein Möbel durchaus Stilformen verschiedener Epochen tragen kann. Die hier gezeigten Beispiele zeigen immer die typischen Merkmale einer Stilepoche.
Autorin: Marianne Gollub
(Dipl. Innenarchitektin HDK, Dozentin)